Zweite Demokratie-Konferenz erfährt regen Zuspruch

Auf Einladung von Stefan Wolfram, Geschäftsführer P.A.u.L. e.V., und Bürgermeister Thilo Becker fanden sich am Donnerstag, 12. November 2015 rund 60 Personen zur zweiten „Demokratie-Konferenz“ im CeraTechCenter in Höhr-Grenzhausen ein. Im Rahmen der Veranstaltung sollte über die Entwicklung des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ und den aktuellen Stand der Arbeit mit den Flüchtlingen in der Verbandsgemeinde Höhr-Grenzhausen informiert werden.

Zu Beginn begrüßte Stefan Wolfram in seiner Position als Koordinierungs- und Fachstelle „Demokratie leben!“ und Flüchtlingskoordinator in der Verbandsgemeinde alle anwesenden Bürgerinnen und Bürger. Im Anschluss hieß auch Bürgermeister Thilo Becker alle erschienenen Bürgerinnen und Bürger, sowie Stadtbürgermeister Michael Thiesen und den ersten Beigeordneten Arthur Breiden recht herzlich willkommen. Im Rahmen seiner Begrüßung ging Bürgermeister Becker auf die derzeitige Flüchtlingssituation in der Verbandsgemeinde Höhr-Grenzhausen ein. Er hob hervor, dass die derzeit rund 100 in der Verbandsgemeinde betreuten Flüchtlinge weiterhin in Wohnungen im Stadtgebiet Höhr-Grenzhausen untergebracht werden können, weiterer Wohnraum, insbesondere kleine Wohnungen, allerdings dringend benötigt werde. Wohnungsgeber sollen sich für ein entsprechendes Angebot bitte an die Mitarbeiter des Sozialamtes Höhr-Grenzhausen wenden. Darüber hinaus dankte Bürgermeister Becker allen ehrenamtlichen Flüchtlingshelferinnen und -helfern für die bisher geleistete Arbeit und die gute Zusammenarbeit mit dem Sozialamt der Verbandsgemeinde.

Daran anschließend stellte Stefan Wolfram die Arbeit im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ vor. Die Arbeit fußt auf einer Drei-Säulen-Theorie. Diese Säulen umfassen im Einzelnen die Extremismus Prävention, die Asylthematik sowie einen Tag der Demokratie. Darüber hinaus wird im Rahmen des Bundesprogramms derzeit auch an der Einrichtung eines Jugendparlaments gearbeitet. Durch ein positives Votum des Begleitausschusses, welcher die maßgebliche Umsetzung der Partnerschaft für Demokratie und dessen Fortschreibung in Kooperation mit der Lokalen Koordinierungsstelle begleitet, konnten bisher insgesamt vier Projekte umgesetzt werden. Darunter das „Café Welcome“, welches zur Freude aller Beteiligten weiterhin großen Zuspruch erfährt. Darüber hinaus wurde auch die Fahrt der Ministranten der katholischen Kirche nach Auschwitz durch das Bundesprogramm teilweise gefördert. Über die Fahrt nach Auschwitz wird es auch eine Ausstellung im Rathaus von Höhr-Grenzhausen geben. Weitere Projekte im Jahr 2015 waren ein Filmprojekt der Schiller-Schule und der Filmvortrag „Die Arier“ der Ernst-Barlach-Realschule Plus.

Im Anschluss stellte Frau Bierenfeld, Mitarbeiterin im Sozialamt der Verbandsgemeinde, die aktuellen Flüchtlingszahlen in der Verbandsgemeinde kurz vor. Demnach werden aktuell 95 Personen aus 16 Herkunftsstaaten (Stand: 12. November 2015) in Höhr-Grenzhausen betreut, bis Ende November 2015 wird diese Zahl auf 109 Personen ansteigen, bis zum Jahresende wird mit rund 120 zu betreuenden Flüchtlingen gerechnet. Darüber hinaus weist Frau Bierenfeld darauf hin, dass auf der Internetseite der Verbandsgemeindeverwaltung über eine neue Rubrik alle Informationen zur Flüchtlingshilfe in Höhr-Grenzhausen abgerufen werden können.

Stefan Wolfram berichtete anschließend über den derzeitigen Stand der Arbeit in der Flüchtlingshilfe. Es wurde eine Liste mit Gegenständen vorgestellt, die zur Ersteinrichtung der von den Flüchtlingen bewohnten Wohnungen benötigt werden und in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass gebrauchte Matratzen nicht angenommen werden dürfen. Darüber hinaus wies Herr Wolfram auf die Sicherheitsproblematik bei der Ausgabe von Fahrrädern an die Flüchtlinge hin und bat auch um Spenden von Fahrradschutzhelmen, insbesondere für Kinder. Um den Flüchtlingen nach Erhalt eines Fahrrads eine sichere Teilnahme am Straßenverkehr zu ermöglichen, sollen in Zusammenarbeit mit der Polizei entsprechende Informationen zur Verfügung gestellt werden. Abschließend informierte Herr Wolfram die Anwesenden, dass im Rahmen der Flüchtlingshilfe insbesondere Kleidung für junge Männer benötigt wird. Noch nutzbare Kleidung im Allgemeinen kann darüber hinaus bei der von P.A.u.L. e.V. betriebenen „Oase“ oder im Kinderkleiderlädchen des Kinderschutzbundes abgegeben werden, wo Kleidung zu geringen Preisen weiterverkauft wird.

Abschließend berichtete Stefan Wolfram über die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Begleitung der Flüchtlinge und der Vernetzung der Flüchtlingshelfer. Ein entsprechendes Organigramm wurde gezeigt und ist über die Internetseite der Verbandsgemeinde abrufbar. Außerdem rief Herr Wolfram auch noch einmal die Vereine in Höhr-Grenzhausen auf, sich mit Angeboten in der Flüchtlingsarbeit zu engagieren, auch mit einer möglichen Förderung über das Bundesprogramm. Für Rückfragen, Informationen und Hilfestellungen können sich interessierte Vereine mit Herrn Wolfram in Verbindung setzen.

Für einen kurzen Bericht aus der Perspektive der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer konnten für diesen Abend Annemie Spang-Vogel und Kurt Frank gewonnen werden. Frau Spang-Vogel berichtete über den Beginn ihrer Arbeit in der Flüchtlingshilfe und die Idee, ein Möbellager ähnlich dem Vorbild der „Tafeln“ zu gründen. Frau Spang-Vogel berichtete weiter, dass die Hilfsbereitschaft der Bürgerinnen und Bürger von Höhr-Grenzhausen weiterhin groß ist und es immer wieder erfreulich mit anzusehen ist, dass sich auch die Flüchtlinge in die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer integrieren und beispielsweise bei Verständigungsproblemen im Möbellager als Übersetzer agieren.

Auch Kurt Frank gab einen kurzen Einblick in seine ehrenamtliche Arbeit in der Flüchtlingshilfe. So hat er zum Beispiel gemeinsam mit zwei syrischen jungen Männern das Comedytrio Fadi, „Vati“ und „Einzundeinzig“ gegründet und gibt im Café Welcome wöchentlich auf humorvolle Weise einen Überblick über aktuelle Themen, Feste in Deutschland und Verhaltensregeln beispielsweise bei der Mülltrennung.

Im Anschluss an die Berichte der beiden Flüchtlingshelfer gab Herr Gerz von der Ernst-Barlach-Realschule plus einen kurzen Überblick über die an der Schule anlaufenden Angebote der Flüchtlingshilfe. So soll neben der bereits stattfindenden gesonderten Sprachförderung der Flüchtlingskinder auch über den Fächerkanon hinaus ein Angebot geschaffen werden. Hierzu sind die Elternschaft und Bürgerinnen/Bürger aufgerufen, sich nachmittags zum Beispiel mit einem Sportangebot, Musik oder Basteln in der Schule zu engagieren.